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Wenn die Sektkorken knallen: Rotkäppchen wird 170 Jahre alt

Freyburg (Unstrut). Silvester ist sie buchstäblich in aller Munde. Die ostdeutsche Traditionsmarke Rotkäppchen hat nicht nur die Wende überlebt, sondern feiert als gesamtdeutsche Erfolgsgeschichte 2026 ihren 170. Geburtstag.

Von Matthias Salm

Es war das Jahr 1856, als die Brüder Moritz und Julius Kloss sowie ihr Freund Carl Foerster am 26. September 1856 in Deutschlands nördlichstem Weinbaugebiet, der Saale-Unstrut-Region, eine Weinhandlung in Freyburg (Unstrut) gründeten. Zunächst beteiligen sie sich noch an der Gründung der „Freyburger Champagner-Fabrik-Gesellschaft“. Kurze Zeit entsteht aber ihr eigenes Unternehmen mit der Herstellung des Kloss & Foerster Sekts. Weil der Markenname „Monopol“ in einem Rechtsstreit untersagt wird, entsteht 1894 der heutige Markenname Rotkäppchen. 1902 beschließt der Reichstag die Einführung einer Schaumweinsteuer, um die kaiserliche Kriegsflotte zu finanzieren. Mit der Staffelsteuer ab 1909 trifft die Steuer vor allem hochpreisige Schaumweine, die darauf hin in Freyburg aus dem Sortiment genommen werden. 

1948 wird das Unternehmen als VEB Rotkäppchen Sektkellerei Freyburg verstaatlicht. Aus der einst kleinen Kellerei entwickelt sich der größter Sekthersteller der DDR. Im Jahr 1987 werden 15,3 Millionen Flaschen abgesetzt. Doch dann kommt die Wende und für viele DDR-Marken das Aus. Auch der VEB Rotkäppchen Sektkellerei droht die Abwicklung unter der Ägide der Treuhandanstalt. Vielerorts brechen die Umsätze der DDR-Produkte ein. Auch der Absatz von Rotkäppchen fällt auf 7,1 Millionen Flaschen, die Beschäftigtenzahl sinkt auf ein Fünftel. 

Gunter Heise, der damalige Geschäftsführer, bewahrt gemeinsam mit den vier leitenden Mitarbeitern Dr. Lutz Lange, Jutta Polomski, Ulrich Wiegel und Hans-Jürgen Krieger und mit Hilfe der Unternehmerfamilie Eckes-Chantré das Unternehmen vor dem Aus. Ein Management Buy-out sichert die Zukunft des Sektherstellers. Die Produktionsanlagen werden modernisiert, das Sortiment aufgefrischt und die Marken konsequent gepflegt und mit einem modernen Design versehen. So bleibt Rotkäppchen auf dem bundesdeutschen Schaumweinmarkt konkurrenzfähig. Schon 1995 ist Rotkäppchen wieder die Nummer Eins in Ostdeutschland. 2001 dann die erfolgreichste Sektmarke Deutschlands. 

Und das Unternehmen expandiert. Mit der Übernahme von Mumm und den Standorten in Eltville am Rhein und Hochheim am Main im Jahr 2002 entsteht die heutige Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH. Es folgen weitere Akquisitionen: die Schaumweine von Geldermann im badischen Breisach und als neues Geschäftsfeld das Spirituosensegment von Nordbrand Nordhausen. Schließlich werden die Freyburger auch international. Die italienischen Marken Ruggeri und Doppio Passo sowie der renommierte Distributeur Eggers & Franke werden Ende der 2010er Jahre übernommen. 

Heute ist Rotkäppchen eine Unternehmensgruppe mit den drei Säulen Schaumwein, Wein und Spirituosen. Auch das veränderte Konsumverhalten der Deutschen hat seinen Niederschlag im Angebot gefunden: 2008 mit der Produktion von alkoholfreien Schaumweinen. Rotkäppchen-Mumm ist heute Deutschlands führender Anbieter von Sekt und Wein und ist unter den Top Drei der Spirituosenanbieter hierzulande. Seit 2023 ist die Sektkellerei mit der Eröffnung der Rotkäppchen Erlebniswelt in Freyburg (Unstrut) auch noch ein beliebtes Touristenziel.

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