Wasserstofftechnologien eröffnen Chancen für Ostdeutschland
Berlin. Die Herstellung von Wasserstofftechnologien eröffnet Ostdeutschland Chancen für Wertschöpfung, industrielle Entwicklung und Beschäftigung, so eine neue Studie von der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland (IWO)
Erstellt haben sie das WifOR Institute und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Die Studie zeigt: Im Jahr 2045 kann die Produktion von Elektrolyseuren und ihren Vorprodukten jährlich bis zu 2,2 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung in Ostdeutschland erzeugen.
„Gerade die Herstellung der dafür benötigten Technologien eröffnet neue Potenziale für industrielle Wertschöpfung und Beschäftigung in Ostdeutschland“, sagt Dominik Härle, Geschäftsführer der Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland.
Industrielle Wertschöpfung rückt in den Fokus
Die Ergebnisse lenken den Blick auf einen bisher wenig betrachteten Aspekt der Wasserstoffwirtschaft: die industrielle Fertigung von Elektrolyseuren und die damit verbundenen Wertschöpfungs- und Arbeitsmarktpotenziale. Damit schafft die IWO eine neue industriepolitische Perspektive auf die Wasserstoffwirtschaft. Die wirtschaftliche Chance besteht nicht nur darin, Wasserstoff zu produzieren, sondern auch darin, die Technologien zu exportieren, die den weltweiten Wasserstoffhochlauf überhaupt erst ermöglichen. Elektrolyseure bestehen aus einer Vielzahl von Komponenten und Vorprodukten. Von ihrem Ausbau profitieren daher nicht nur die Elektrolyseurhersteller selbst, sondern auch Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Metallverarbeitung und der Elektroindustrie. Für Ostdeutschland ist dies von besonderer Bedeutung.
»Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft beginnt nicht erst bei der Wasserstoffproduktion. Er beginnt bei den Technologien, die den Wasserstoffhochlauf ermöglichen. Die Herstellung von Elektrolyseuren verbindet Forschung, Innovation und industrielle Fertigung auf besondere Weise«, sagt Dr. Tom Smolinka, Abteilungsleiter Membranelektrolyse am Fraunhofer ISE.
Im Ergebnis zeigen die Szenarien für 2045 für Ostdeutschland ein Bruttowertschöpfungspotential in einer Spanne von 480 Millionen bis 2,2 Milliarden Euro auf. Das Basisszenario mit rund 1,4 Milliarden Euro bewegt sich damit in der heutigen Größenordnung der Herstellung von Papier und Papierwaren in Ostdeutschland. Die 2,2 Milliarden Euro entsprechen der heutigen Bruttowertschöpfung der Kokerei und Mineralölverarbeitung. Das wirtschaftliche Potenzial reicht deutlich über die Elektrolyseurhersteller hinaus. Wie viel Wertschöpfung in Ostdeutschland verbleibt, hängt wesentlich von der Einbindung regionaler Zulieferer ab. Zugleich benötigt die Elektrolyseherstellung unter anderem Metallerzeugnisse, elektronische Erzeugnisse, elektrische Ausrüstungen, Maschinen sowie chemische und materialbezogene Vorleistungen.
Mit der wirtschaftlichen Entwicklung sind auch relevante Beschäftigungspotenziale verbunden. Im Basisszenario ergibt sich für 2045 ein Beschäftigungseffekt von rund 12.570 Personen, davon etwa 8.080 bei den Elektrolyseurherstellern und 4.490 in den ostdeutschen Zulieferketten. Je nach Marktszenario reicht die Größenordnung von rund 4.300 bis 20.000 Personen. Der Schwerpunkt liegt dabei mit 58 Prozent des Effekts auf Fachkrafttätigkeiten, weitere rund 30 Prozent auf Spezialisten und Experten.
»Die Studie macht deutlich, dass von einer wachsenden Wasserstoffwirtschaft nicht nur die Hersteller von Elektrolyseuren profitieren. Wertschöpfung und Beschäftigung entstehen entlang der gesamten Lieferkette. Besonders bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil qualifizierter Tätigkeiten, die für die industrielle Transformation Ostdeutschlands von großer Bedeutung sind«, sagt Florian Fickler, Teamlead für den Bereich Arbeitsmarktforschung beim WifOR Institute.
Die Initiative für Wasserstoff in Ostdeutschland e.V. (IWO) ist die gemeinsame Plattform der sechs Bundesländer im Osten Deutschlands, um die Wasserstoffwirtschaft länderübergreifend voranzutreiben. Sie bündelt die regionalen Expertisen und Stärken aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Bund unterstützt die Initiative als Netzwerkmitglied.
Die Gründung der IWO geht auf einen Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz Ost 2022 zurück.
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