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Ein Bild aus besseren Tagen. Hansa-Fans in der Bundesliga

Triumphe und Abstürze: Hansa Rostock feiert 60. Geburtstag

Published On: 28. Dezember 2025Tags: , , , ,

Rostock. Praktisch aus dem Nichts gewann Hansa Rostock 1991 die letzte ostdeutsche Fußballmeisterschaft. Es folgten kurze Höhenflüge und bittere Abstürze. Heute feiert die Kogge ihren 60. Geburtstag.

Von Matthias Salm 

Ende der 1980-er Jahre hatte die Fußball-Bundesliga keine gute Zeit. Die Zuschauerzahlen gingen zurück, der Fußball kämpfte mit Imageproblemen, in die Jahre gekommenen Stadien und Hooligans auf den Rängen. Längst hatte der DFB Pläne in der Schublade, die Bundesliga zu verkleinern, um das Niveau zu heben. Es kam bekanntlich anders: Statt einer Reduzierung musste die Eliteklasse des deutschen Fußballs 1991 um die neu hinzugekommenen ostdeutschen Vereine erweitert werden. Ganze zwei Plätze gewährte der DFB dem ostdeutschen Fußball in der Bundesliga. Nicht aber DDR-Serienmeister BFC Dynamo, nicht der 1. FC Magdeburg, Carl Zeiss Jena oder der FC Karl-Marx-Stadt zog an der Seite von Favorit Dynamo Dresden in die Bundesliga ein, sondern das Überraschungsteam von der Ostsee. 

Ein Blick zurück: Bei der Gründung der DDR-Oberliga 1949/50 waren zwei Mannschaften aus dem hohen Norden zugelassen worden: Anker Wismar und Vorwärts Schwerin. Beide stiegen postwendend ab. Von da an klaffte im Norden eine riesige Lücke auf der Fußball-Landkarte der DDR, während sich in Sachsen auf engstem Raum die Vereine ballten. Als 1954 der Sportclub Empor Rostock gegründet und das Ostseestadion eröffnet wurde, delegierte die DDR-Sportführung unter kräftiger Fürsprache der SED-Bezirksleitung Rostock kurzerhand die erfolgreiche Mannschaft von Empor Lauter aus dem Erzgebirge an die Küste. Bei Nacht und Nebel heuerten zwölf Erzgebirgler an der Ostsee an. Die zu Mecklenburgern gewandelten Sachsen gehörten in den frühen 60er Jahren zu den Spitzenmannschaften des DDR-Fußballs, wurden drei Mal in Folge Vizemeister und galten als ewige Pechvögel. 

Der DDR-Fußball insgesamt erzielte hingegen nicht die gewünschten Erfolge. Deshalb wurden die Fußballabteilungen Mitte der 1960-er Jahre aus den Sportclubs ausgegliedert und in eigenständige Fußballvereine überführt, die als Leistungszentren dienen sollten. So schlug am 28. Dezember 1965 die Geburtsstunde des FC Hansa Rostock.Trägerbetrieb wurde das Kombinat Seeverkehr und Hafenwirtschaft. Im Ostseestadion erfreute sich Hansa einer großen Popularität und erzielte überdurchschnittliche Zuschauerzahlen. Doch ab den 1970-er Jahren erlahmte der Schwung. Aus der Kogge, wie die Verein in Anlehnung an sein Wappen auch genannt wird, wurde eine Fahrstuhlelf, die fortan statt um Titel gelegentlich in der zweiten Liga mit örtlicher Konkurrenz wie der BSG Schiffahrt/Hafen Rostock zu kämpfen hatte. Erst 1987 war Hansa wieder in die DDR-Oberliga zurückgekehrt. Dass die Ostseestädter in der letzten, noch in der DDR begonnenen und im vereinten Deutschland beendeten Spielzeit des DDR-Fußballs, den Meistertitel und Pokalsieg errangen, war deshalb umso mehr eine faustdicke Überraschung. 

Die neue Fußball-Zeit begann zunächst bahnbrechend. Hansa Rostock gewann auswärts beim übermächtigen FC Bayern, spielte wie im Rausch, erklomm die Tabellenspitze der Bundesliga und die BILD-Zeitung fragte irritiert, ob Rostock etwa Meister werden könne. Der Überraschungseffekt verpuffte aber schell und Hansa stieg am Ende der Premierensaison ab. Zwischen 1995 und 2005 etablierte sich die Kogge aber zehn Jahre lang in der Bundesliga, zeitweilig als einziger ostdeutscher Club. Hansa profilierte sich als Vorzeigeverein des Ostens, verspielte den Ruf aber ebenso wieder durch Fehler im Management, finanzielle Probleme und immer wieder auch durch Zuschauerausschreitungen. 2008 endete das Kapitel Bundesliga vorläufig. Seither pendelt Hansa zwischen zweiter und dritter Liga.

Hansa Rostock liegt nicht nur geographisch weit ab von den Machtzentren des deutschen Fußballs. Auch finanziell war der Verein seit der Wende stets auf die Unterstützung des regionalen Mittelstands angewiesen und auf die Treue der Fans, deren Einzugsgebiet weit über Mecklenburg-Vorpommern bis in den Norden Brandenburgs reicht. Dies alles hat den Club zwar nicht vor schweren finanziellen Krisen in seiner jüngeren Geschichte bewahrt, Aber gerade die gesellschaftliche Bedeutung des FC Hansa für die Region hat auch immer wieder zu seiner Rettung beigetragen. 

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