Leipziger Verbio gelingt die Ergebniswende
Leipzig. Verbio hat im Geschäftsjahr 2025/26 die Ergebniswende vollzogen. Das Konzern-EBITDA stieg um mehr als 1.300 Prozent auf 193,7 Millionen Euro, nach 14,2 Millionen Euro im Vorjahr. Produktionsseitig erreichte Verbio Rekordwerte.
Damit übertraf das Unternehmen auch die im Jahresverlauf auf 160 bis 180 Millionen Euro angehobene EBITDA-Prognose. Die Nettofinanzverschuldung zum 30. Juni 2026 sank um 44 Prozent auf rund 92 Millionen Euro (30.06.2025: 164,0 Millionen Euro).
Produktionsseitig erreichte Verbio erneut Rekordwerte: Weltweit wurden im Geschäftsjahr 2025/26 1,218 Millionen Tonnen Biodiesel und Bioethanol (GJ 2024/25: 1,202 Millionen Tonnen) sowie 1.410 GWh Biomethan (GJ 2024/25: 1.190 GWh) produziert.
Der Konzernumsatz stieg um 18,5 Prozent auf 1.872,7 Millionen Euro (GJ 2024/25: 1.579,8 Millionen Euro). Verbio investierte knapp 90 Millionen Euro insbesondere in den Aufbau des Geschäfts mit biobasierten Chemikalien in Europa und die Produktionsanlagen in den USA.
Durch die konsequente Mehrfachnutzung der eingesetzten Biomasse und die Vermarktung von Co-Produkten wie Glycerin, Phytosterolen und biogenem CO₂ stieg die Wertschöpfung je Tonne Rohstoff. Unterstützend wirkte ein Marktumfeld mit hohen Preisen für fossile Energieträger, das die Wettbewerbsfähigkeit nahezu aller Verbio-Produkte erhöht hat.
„Die Ausgangslage von Verbio ist heute deutlich besser als vor zwölf Monaten. Wir haben unsere Verschuldung reduziert, die Effizienz unserer Anlagen verbessert und von den veränderten regulatorischen Rahmenbedingungen profitiert“, sagt Claus Sauter, Vorstandsvorsitzender der Verbio SE.
Zudem gibt es in Europa einen regelrechten Paradigmenwechsel: Biomasse wird endlich wieder als wichtige Unterstützung der regionalen Landwirtschaft und als Teil der Lösung für Energiesicherheit, Preisstabilität und Klimaschutz wahrgenommen, so das Unternehmen. Seit Monaten sei E10 der günstigste Flüssigkraftstoff an europäischen Tankstellen und der Marktanteil wächst kontinuierlich.
Weltweit steigt die Nachfrage nach erneuerbaren Molekülen: Indien mischt bereits 20 Prozent Bioethanol ins Benzin, E30 gilt als nächste Ausbaustufe; Japan, Vietnam und Indonesien führen Beimischungen von E10 bis E20 ein oder bereiten sie vor, und die EU prüft die Einführung von E20. Dass höhere Beimischungen zugleich preisdämpfend wirken, zeigt sich in den USA: Dort ist E15 heute der mit Abstand günstigste Flüssigkraftstoff an der Tankstelle.
„Biomasse ist systemrelevant: Sie wird regional erzeugt und ist die Basis für eine Vielzahl erneuerbarer Moleküle. Unsere Rohstoffe müssen nicht durch die Straße von Hormus – sie kommen aus der lokalen Landwirtschaft. Das stärkt die regionale biobasierte Wertschöpfung und macht uns unabhängiger von fossilen Importen“, sagt Sauter.
Neue Nachfrage nach Biomethan entsteht aber auch außerhalb des Verkehrs: In Deutschland öffnet das Gebäudemodernisierungsgesetz den Wärmemarkt stärker für Biomethan. Die geplante Grüngasquote für den gesamten Gasmarkt bietet bei entsprechender Ausgestaltung zusätzlich Chancen für die Nutzung von Biomethan in industriellen Anwendungen.
Vor 25 Jahren nahm das Unternehmen in Bitterfeld die erste Produktionsanlage in Betrieb. Aus der damaligen Biodieselanlage ist eine integrierte Bioraffinerie geworden, die aus europäischem Rapsöl neben Biodiesel auch Glycerin und Phytosterole gewinnt.
In diesem Jahr kommt mit der Herstellung biobasierter Spezialchemikalien eine weitere Wertschöpfungsstufe hinzu. Knapp 100 Millionen Euro hat Verbio in die weltweit erste Ethenolyseanlage auf Basis von Rapsmethylester im industriellen Maßstab investiert. Es entstehen rund 50 neue Arbeitsplätze – zusätzlich zu den etwa 120 bestehenden am Standort. Die Anlage wird schrittweise hochgefahren; die fInbetriebnahme mit erfolgt am 6. Oktober 2026.
Zukünftig sollen dort bis zu 60.000 Tonnen biobasierte Spezialchemikalien pro Jahr entstehen – hochwertige erneuerbare Kohlenstoffe, die fossile Rohstoffe in Schmierstoffen, Wasch- und Reinigungsmitteln sowie Kunststoffen ersetzen können.
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