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Handwerkskammer Erfurt startet Chancenatlas für Nachfolger

Erfurt. Die rund 14.000 Betriebe der Region Nord- und Mittelthüringen stehen vor bekannten Herausforderungen, aber auch vor neuen Chancen – insbesondere durch innovative Instrumente wie den erstmals vorgestellten Chancenatlas.

Der neue Chancenatlas macht erstmals transparent, in welchen Regionen und Gewerken besonders attraktive Übernahmechancen für junge Menschen und Gründer bestehen. Im Kammerbezirk Erfurt sind 7.167 Inhaber über 60 Jahre – damit steht mehr als jeder zweite Betrieb in den kommenden Jahren zur Übergabe an. Besonders groß ist der Nachfolgebedarf in Gewerken wie Klempner, Orthopädietechniker, Informationstechniker und Feinwerkmechaniker, wo bis zu 74 Prozent der Inhaber über 60 Jahre alt sind. Regionen wie Erfurt, Ilm-Kreis, Kyffhäuserkreis, Nordhausen und Weimar weisen besonders hohe Anteile von Betrieben mit Ü60-Inhabern auf.

Der Chancenatlas dient als Orientierung für Betriebe, Nachwuchs und Politik. Er unterstützt die gezielte Maßnahmenplanung, Förderprogramme und Kampagnen. Die Handwerkskammer setzt auf eine breite Ansprache: Von Social-Media-Kampagnen und Großflächenplakaten bis zu Schulbesuchen und Netzwerktreffen werden alle Register gezogen, um potenzielle Nachfolger und Gründer zu gewinnen und die Zukunftsfähigkeit des Handwerks zu sichern.

Das Jahr 2025 war für das Handwerk Nord- und Mittelthüringen ein Jahr der Konsolidierung. Die Geschäftslage bleibt stabil: Über 80 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Situation als gut oder befriedigend. Der Geschäftsklimaindikator liegt mit 101,65 Punkten erstmals seit Herbst 2023 wieder über der 100-Punkte-Marke. Dennoch sind die Erwartungen für die kommenden Monate zurückhaltend. 71,8 Prozent der Betriebe rechnen mit einem gleichbleibenden Niveau, nur 11,7 Prozent erwarten mehr Aufträge. Die Umsatzentwicklung zeigt eine leichte Verbesserung: Der Anteil der Betriebe mit steigenden Umsätzen stieg von 13,3 auf 18,3 Prozent, wobei besonders das Kfz- und Gesundheitshandwerk zulegen konnte. Dagegen verzeichnen das Nahrungsmittelhandwerk und der gewerbliche Bedarf deutliche Rückgänge.

Die Auftragsreichweite ist auf durchschnittlich 8,6 Wochen gesunken, fast die Hälfte der Betriebe hat nur noch vier Wochen Vorlauf. Der Personalbestand bleibt bei 77 Prozent der Unternehmen konstant, doch die Unsicherheit bleibt groß. Steigende Einkaufspreise für Material, Energie und Löhne belasten die Betriebe zusätzlich. Besonders alarmierend: Die Investitionsbereitschaft erreicht einen historischen Tiefstand. Lediglich 5,7 Prozent der Betriebe planen steigende Investitionen, während fast die Hälfte Kürzungen vorsieht – ein Warnsignal für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Thüringen.

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