Gitta Connemann auf Tour in Rostock
Rostock. Mit ihren Äußerungen zur Lifestyle-Teilzeit hat sich Staatssekretärin Gitta Connemann kürzlich aufs Glatteis begeben. Auf Mittelstandstour in Rostock war sie hingegen auf sicherem Terrain unterwegs.
Erste Station der Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie war der Rostocker Standort der Rottach Werke Firmengruppe. Das mittelständische Unternehmen aus Süddeutschland ist auf industrielle Blechverarbeitung sowie die Fertigung komplexer Schweiß- und Montagebaugruppen spezialisiert und beschäftigt rund 180 Mitarbeitende, davon 65 in Rostock.
Beliefert werden von dem Unternehmen Maschinen- und Anlagenbau, Offshore- und Hafenkranbau, Landtechnik sowie Energie- und Industriekunden.
Der Standort im Industriegebiet Marienehe wurde 2005 aufgebaut und ist eng mit regionalen maritimen Betrieben vernetzt. In den vergangenen Jahren wurden mit Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern Produktionshalle, Maschinen und Logistikflächen errichtet bzw. erweitert, wodurch die Produktionsmöglichkeiten deutlich ausgebaut werden konnten.
Danach ging es in die 2020 gegründete Innocent Meat GmbH in Rostock. Das Unternehmen entwickelt automatisierte und softwaregestützte Fertigungsprozesse zur industriellen Herstellung von kultiviertem Fleisch aus tierischen Zellen. Zielkunden sind Unternehmen der fleischverarbeitenden Industrie, denen so eine skalierbare und standardisierte und zuverlässige Produktion neuartige Proteinprodukte ermöglicht wird. Unterstützt wird das Unternehmen unter anderem durch den Venture-Capital-Fonds Mecklenburg-Vorpommern. Ende 2025 gab es sechs Millionen Euro von Investoren. Das Unternehmen entwickelt derzeit eine Demonstrationsanlage mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro, die wöchentlich bis zu 10.000 Liter kultiviertes Hackfleisch produzieren kann. Dafür überreichte Staatssekretärin Connemann einen Zuwendungsbescheid des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Höhe von rund 413.000 Euro. Mit dieser Zuwendung soll gezielt an der Prozessoptimierung des automatisierten Produktionsverfahren gearbeitet werden, um die Zellausbeute gegenüber dem derzeitigen Standardprozess signifikant zu erhöhen.
Letzte Station war das Fraunhofer IGP in Rostock mit über 200 Mitarbeitenden und rund 100 wissenschaftlichen Hilfskräften.
Das Land unterstützte das IGP in den vergangenen Jahren sowohl bei Forschungsprojekten als auch beim Ausbau der Infrastruktur, darunter ein Neubau für Büro- und Laborflächen mit rund 18,4 Millionen Euro Gesamtvolumen. Zudem ist das Institut zentral an der Forschungsfabrik Wasserstoff MV beteiligt, in der in Rostock Technologien für die Wasserstoffwirtschaft entwickelt werden. Es gab einen Rundgang durch eine Auswahl an Laboren und Forschungsstationen, darunter das Messlabor, der VR-Raum (Virtual Reality-Raum) und das Technikum. Dort gibt es den Großroboter 2.0 einschließlich Visualisierung mit einer VR-Brille, der „sehende“ Schweißroboter sowie der mobile Industrieroboter SPOT.
Mit auf Tour war Jochen Schulte, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der nahm auch noch mal Bezug auf die Teilzeit-Debatte:
„Mecklenburg-Vorpommern hat seine Arbeitsproduktivität in den vergangenen Jahren deutlich schneller gesteigert als der Bundesdurchschnitt. Das zeigt ziemlich klar: Produktivität entsteht nicht durch Debatten über ‚Lifestyle‘ oder Arbeitszeitmodelle, sondern durch Investitionen in Technologie, Qualifikation und kluge Standortpolitik. Wer Wachstum will, sollte weniger über Lebensstile reden und mehr über Innovationsbedingungen.“
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