
v.l.n.r TU-Vizepräsidentin Dr. Fatma Deniz, Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender Charité-Universitätsmedizin Berlin, Kai Wegner, Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra
Zu Besuch im KI -Kompetenzzentrum BIFOLD
Berlin. Im Berliner Senat knirscht es nach dem Strom-Blackout. Da ist für Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ein Besuch im KI-Kompetenzzentrum BIFOLD eine willkommene Abwechslung. Hier forscht Berlin auf Weltniveau!
Von Matthias Salm
Vor der Präsentation der aktuellen BIFOLD-Forschungsprojekte war aber noch Zeit für Glückwünsche. Im Dezember wurden die Preisträger und Preisträgerinnen des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises, gerne auch als deutscher Nobelpreis bezeichnet, bekanntgegeben. Zu den Ausgezeichneten gehört auch Prof. Dr. Klaus-Robert Müller, Leiter der „Machine Learning Group“ und Co-Direktor des „Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data“ (BIFOLD) an der TU Berlin. Müller gilt als Pionier des „Maschinellen Lernens“. Diesem wichtigen Zweig der Forschung zur Künstlichen Intelligenz (KI) widmet er sich bereits seit 1989. Dabei arbeitet Müller interdisziplinär. Er vereint Bereiche wie Biologie, Medizin, Chemie, Mathematik und Informatik.
In einem gemeinsamen Projekt mit Google DeepMind und dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat ein Team des Fachgebiets für Maschinelles Lernen am BIFOLD beispielsweise einen Ansatz entwickelt, um das visuelle Verständnis der Computermodelle dem des Menschen anzugleichen. Ein Ansatz, der international viel Beachtung gefunden hat. In einem weiteren preiswürdigen Projekt hat ein interdisziplinäres Forschungsteam von BIFOLD, TU Berlin, dem Universitätsklinikum Köln, der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem KI-Unternehmen Aignostics und der Uni München eine neuartige, KI-gestützte Methode entwickelt, um präzisere Prognosen für Lungenkrebspatienten treffen zu können.
Das BIFOLD wurde 2020 gegründet und ist eines von sechs deutschen Kompetenzzentren für Künstliche Intelligenz. „Das BIFOLD hat eine Sichtbarkeit weit über Deutschland hinaus“, lobt Dr. Fatma Deniz, die designierte Präsidentin der Technischen Universität Berlin. Das sieht auch Prof. Dr. Klaus-Robert Müller so: „Das BIFOLD wird weiter wachsen“, sagt Müller und prophezeit, dass es manch international tätige Wissenschaftler angesichts der krisenhaften Weltlage bald wieder in die Heimat zurückziehen könnte. „In Berlin kann man mit einer einfachen U-Bahn-Fahrt jederzeit zu einem Spezialisten von Weltrang gelangen“, beschreibt Müller die einzigartige Forschungsdichte der Stadt.
Auf noch engerem Raum bewegt sich die KI-Spitzenforschung in Berlin. Der „Berlin AI Square“ am Salzufer konzentriert die KI-Spitzenforschung von BIFOLD, dem Labor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz, dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI), der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) und weiteren KI-Forschungseinrichtungen. Vernetzt sind sie mit Transfereinrichtungen für die Förderung von Ausgründungen sowie den zahlreichen KI-Industrie-Unternehmen. BFOLD arbeitet mit industriellen Partnern wie BASF, Google oder Siemens zusammen. „Wir bilden aus und das wird auch in der Industrie benötigt“, weiß Müller. „Während noch in den 2010er Jahren maximal 60 Studierende in unseren Vorlesungen saßen, besuchen heute bis zu 1.000 Studierende einzelne der insgesamt über 50 verschiedenen Kursangebote von BIFOLD-Wissenschaftlern.“
Ebenso gefördert werden am BIFOLD KI-Ausgründungen. Aignostics und X-cardiac sind zwei dieser Ausgründungen. Aignostics konzentriert sich auf die Entwicklung der digitalen Pathologie für Forschung, klinische Studien, Begleitdiagnostik und klinische Routine. X-cardiac wurde gegründet vom Charité-Professor und BIFOLD-Forschungsgruppenleiter Prof. Dr. Alexander Meyer und widmet sich KI-basierten Medizinprodukten zur Vorhersage postoperativer Komplikationen nach herzchirurgischen Eingriffen.
Einer der wichtigsten Partner des BIFOLD ist dann auch die Charité-Universitätsmedizin Berlin. Diese hat jüngst unter der Leitung von Prof. Dr. Alexander Meyer ein Institut für Künstliche Intelligenz (KI) in der Medizin gegründet, denn in der Medizin kommt der KI eine immer wichtigere Bedeutung zu, etwa in der Prävention, bei der Diagnose und der Therapie.
„Berlin hat früh angefangen, die Zusammenarbeit von maschinellem Lernen und Datenbankmanagement zu fördern“, sagt Klaus-Robert Müller. Dies ist für den Leibniz-Preisträger die Voraussetzung für echte KI-Innovationen.
Am Ende seines Besuchs hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner noch einmal Glückwünsche parat. TU-Vizepräsidentin Fatma Deniz war Ende 2025 zur neuen TU-Präsidentin gewählt worden. Die Informatikerin tritt das Amt im April an. Nach der zuletzt stark kritisierten Amtsführung der Vorgängerin ist die Erwartungshaltung dementsprechend groß. „Wir setzen große Hoffnungen in sie“, fügte Wegner seinen Glückwünschen an.
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