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Olympia: Steckt Berlin in den Startlöchern fest?

Published On: 15. Dezember 2025Tags: , , ,

Berlin. Berlins Olympia-Bewerbung gleicht bisher einem Radsportler, der schon beim ersten Anstieg um den Anschluss kämpft. Verläßt sich der Berliner Senat bei seinem Konzept zu sehr auf den Hauptstadtbonus?

Von Matthias Salm

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fühlt sich schon wie der sichere Sieger. Mit dem positiven Bürgerentscheid aus dem Oktober im Rücken streben die Bayern einen Start-Ziel-Sieg an. Berlin hat nun ein Kuratorium gegründet, um der eigenen Bewerbung mehr Schwung und Legitimität zu verleihen, Dem Gremium gehören herausragende Persönlichkeiten aus Sport und Kultur, Wirtschaft, Wissenschaft und Soziales an. Das Kuratorium soll bis Ende September 2026 in einem rund achtwöchigen Rhythmus tagen.

Berlins Bewerbung hinkt gleich mehrfach. Aus juristischen Gründen ist ein Bürgervotum vom Senat nicht einzuholen. Der Bürgerwille kann nur durch Umfragen abgefragt werden. Die Ergebnisse variieren und geben bisher kein klares Bild. Eine verbindliche Aussage treffen sie schon gar nicht. Das Kuratorium ist nun eine der geplanten Maßnahmen, um gesellschaftlichen Rückhalt gegenüber den Entscheidern des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) zu signalisieren. Neben Spitzensportlern wie Weitspringerin Malaika Mihambo sind vom Vorsitzenden des Landesschülerausschusses Orcun Ilter über Erzbischof Dr. Heiner Koch, IHK-Hauptgeschäftsführerin Manja Schreiner und Union-Präsident Dirk Zingler viele Repräsentanten aus Sport, Kultur, Wirtschaft und sozialen Verbänden im neuen Kuratorium vertreten. 

Auch Linken-Politiker Dr. Dietmar Bartsch und der grüne Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg, Jörn Oltmann, wurden ins Kuratorium geholt. Wohl nicht ohne Grund. Denn hier ist das zweite Manko der Berliner Bewerbung. Die Oppositionsparteien Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sind schon auf Konfrontationskurs zur Olympiabewerbung gegangen. Bis Anfang Juni sind die Bewerbungen einzureichen. Am 26. September wird eine Außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB den Kandidaten unter den vier Bewerbern Berlin, München, Hamburg und Rhein-Ruhr auswählen. Am 20. September aber, sechs Tage zuvor, wählt Berlin eine neue Regierung. Wie groß ist die Befürchtung beim DOSB, plötzlich vielleicht mit einer olympiafeindlich gesinnten neuen Berliner Regierung zusammenarbeiten zu müssen?

Berlin will solchen Zweifeln nun mit möglichst vielen Bürgerkontakten begegnen. Geplant sind Kiez-Touren, Stakeholder-Workshops für gesellschaftlich relevante Gruppen, Online-Beteiligungsformate, Bürger- und Jugendforen. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner wehrt Kritik an der bisherigen Planung ab. „Es ist Quatsch, dass wir zu spät sind. Alle Bewerberstädte überarbeiten derzeit ihre Konzepte und passen sie an. Wir sind nicht zu spät, wir sind genau richtig. Ich spüre eine große Offenheit für Berlin beim DOSB.“ Wegners Hauptargument: Für den DOSB zählt die internationale Strahlkraft einer Bewerberstadt. Diese fließe zu 40 Prozent in die Bewertung ein. Verlässt sich Berlin zu sehr auf seinen Hauptstadtbonus und seine internationale Bekanntheit? Letztlich werden das Konzept der Organisation und die möglichen Sportstätten ebenfalls mitentscheidend sein. 

Kaweh Niroomand, Berlins Olympiabeauftragter, räumt ein, dass die kritische Berichterstattung und einzelne Umfragen es nicht einfacher machen. „Wir haben ein gutes Konzept, wir werden kompakte Spiele haben,“ ist sich Niroomand sicher. „Das Kuratorium wird bei dem Beteiligungsverfahren eine wichtige Rolle spielen und das Beteiligungsverfahren wird wiederum bei der Bewertung durch den DOSB eine Rolle spielen.“ Niroomand verweist noch einmal darauf, dass der DOSB nicht nur ein Referendum wie in München, sondern auch andere Formen der Bürgerbeteiligung positiv berücksichtigt. Er baut auf die Kampagne in der Stadt im nächsten Jahr, die die Berliner für Olympia emotionalisieren soll. 

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