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Berlin setzt auf Luft- und Raumfahrttechnologie

Berlin. Sein Antrittsbesuch in Berlin führte Bundeskanzler Friedrich Merz in den Technologiepark Adlershof. Dort entwickelt und baut die Berlin Space Technologies (BST) Satelliten für kommerzielle und institutionelle Kunden.

Von Matthias Salm

Die traditionellen Antrittsbesuche eines neu gewählten Bundeskanzlers in den Bundesländern sind immer auch ein Schaulaufen der Wirtschaftsstandorte. Gezeigt wird, was die Innovationskraft der jeweiligen Region ausmacht. Berlin wählte für die offizielle Visite von Friedrich Merz den Technologiepark Adlershof – das war naturgemäß keine weite Anreise. In den Räumlichkeiten der Firma Berlin Space Technologies ging es auch um Berlins Beitrag zum Luft- und Raumfahrtprogramm der Bundesregierung.  

Zeitlich hätte der Besuch nicht besser passen können: Eben erst traf sich der ESA-Ministerrat in Bremen. Für die europäische Weltraumagentur soll künftig mehr Geld bereitgestellt werden, so die dort getroffene Vereinbarung. Schon jetzt ist Deutschland mit rund 21 Prozent des Gesamtbudgets der größte Beitragszahler. Deutschlands erste Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) stellte eine künftige Steigerung des Beitrags von 3,5 Milliarden auf fünf Milliarden Euro in Aussicht. 

Profitieren möchten von der europäischen Initiative im All auch die Bundesländer. Auch das ein guter Grund für Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), den Bundeskanzler nach Adlershof zu locken.Bisher haben sich Bremen, Bayern und Baden-Württemberg in der Luft- und Raumfahrtbranche eine Führungsrolle gesichert. In Baden-Württemberg etwa arbeitet ein Cluster von rund 200 Unternehmen in diesem Bereich. Im bayerischen Oberpfaffenhofen steuert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Kontrollzentren für Erdbeobachtung, Robotik und bemannte Missionen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Ist bekanntlich bekennender Weltraumfan (CSU). Das vor sieben Jahren gestartete Bayerische Raumfahrtprogramm fördert die Branche immens, die in Bayern rund 500 Unternehmen umfasst. Bremen zählt rund 120 Unternehmen, darunter große Konzerne wie die Airbus Group und Rheinmetall Defence Electronics

In dieser Riege möchten auch die Berliner künftig in der ersten Liga mitspielen. Rund 7.500 Beschäftigte zählen die Aerospace-Unternehmen ider Hauptstadtregion. Mit der ILA beheimatet Berlin die Leitmesse der Branche, für die sich Kai Wegner und sein brandenburgischer Amtskollege Dietmar Woidke (SPD) immer wieder ins Zeug legen. Planet Labs, MTU und Rolls Royce sind internationale Player der Luft- und Raumfahrt mit einem Sitz in Berlin und Brandenburg. Eine Kernkompetenz der Berliner Unternehmen liegt im Feld der Kleinsatelliten, auf die auch die Berlin Space Technologies (BST) in Adlershof spezialisiert ist. 

Seit 2010 bauen die Adlershofer leistungsstarke Satellitenlösungen für kommerzielle und institutionelle Kunden weltweit. „80 Prozent der Komponenten stammen aus eigener Produktion“, betont Tom Segert, neben Matthias Buhl und Björn Danziger einer der Gründer der BST. Damit künftig noch mehr Satelliten aus Adlershof im All kreisen, wird in Tempelhof ein ehemaliger Baumarkt zu einer neuen Produktionsstätte umgebaut. „200 Satelliten pro Jahr können dort gebaut werden“, verspricht Segert. Und zwar deutlich schneller noch als heute. 2027 soll die Fabrik stehen. In diesem Jahr konnte das Unternehmen bereits seine Mitarbeiterzahl verdoppeln und den Umsatz verdreifachen. Rund 80 Beschäftigte sind derzeit bei BST in Adlershof tätig.

BST wurde als eigenfinanziertes Unternehmen gegründet und setzt auf strategische Investoren wie den Bremer Raumfahrtkonzern OHB. 2013 verkaufte BST sein erstes Satellitensystem an einen Kunden in Singapur. Im folgenden Jahr wurde BST-Hardware auf einem Projekt auf der Internationalen Raumstation installiert. 2015 und 2017 wurden Satellitenverträge mit der ägyptischen Raumfahrtagentur und der türkischen Firma STM abgeschlossen. Seit 2018 betreibt BST auch ein Joint Venture mit der indischen Azista Industries, das mittlerweile auch den ersten Satelliten ins All gebracht hat. Auch am Bau von mobilen akkubetriebenen Bodenstationen wird geforscht,

Dass die Nutzung der Satellitendaten künftig auch militärischen Zwecken dienen wird, wird beim Besuch des Kanzlers mehr als einmal deutlich. Die Kunden der BST sind private Unternehmen, die aber auch auf den militärischen Bedarf an Satellitendaten fokussieren werden. Die Herstellung von Satelliten und Komponenten „sei auch eine Frage der technologische Souveränität im Weltraum“ betonte Bundeskanzler Friedrich Merz bei seinem Versuch der BST. Der Bund will in den kommenden Jahren 35 Millionen Euro in den Aufbau einer Weltraum-Sicherheitsarchitektur investieren. „Davon wird auch die Hauptstadtregion profitieren“, ist sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sicher. 

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