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Ein Paar spaziert am Strand zum Sonnenuntergang in Ahlbeck

Mehr Gäste, aber weniger Zufriedenheit bei Gastgebern

Published On: 7. Oktober 2026Tags: , ,

Schwerin. Urlaub in MV ist weiterhin gefragt. Das zeigen die Zahlen zum Juli 2026 vom Statistischen Amt MV vorliegen. Demnach wurden 4,8 Millionen Ankünfte (+4,3 Prozent) und 18,9 Millionen Übernachtungen (+1,6 Prozent) verzeichnet. 

Damit liegt Mecklenburg-Vorpommern in der Übernachtungsentwicklung über den Werten für ganz Deutschland (+0,8 Prozent).

Der Geschäftsführer der MV Tourismus GmbH, Peter Kranz, bilanziert: „Wir freuen uns, dass MV auch in diesem Sommer wieder viele Gäste im Urlaubsland begrüßen konnte. Dabei fällt zunächst der zuletzt leicht gestiegene Anteil von Gästen aus dem Ausland auf, die ihre wertvolle Freizeit zwischen Ostseeküste und Seenplatte verbracht haben. Gleichwohl ist die Entwicklung weiter volatil, vor allem wenn man sich die Quellmärkte genauer anschaut. Wir arbeiten mit unseren Partnern daran, die hoffnungsvollen Zeichen dieses Jahres bei den internationalen Gästeankünften zu verstetigen und perspektivisch auch wieder mehr Übernachtungen zu generieren. Für ein Wachstum in diesem Segment brauchen wir unbedingt Impulse für unsere Infrastruktur. Die Themen Erreichbarkeit und nachhaltige Mobilität sind hier für die Zukunft entscheidend.“

Der Präsident des DEHOGA MV, Lars Schwarz, fügte hinzu: „Bei den aktuellen Übernachtungszahlen darf nicht außer Acht gelassen werden, wie angespannt die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe tatsächlich ist. Mehr Gäste oder Übernachtungen bedeuten längst nicht automatisch mehr Umsatz und schon gar nicht mehr Gewinn. Unsere Umfrage zeigt: Das Gastgewerbe steuert derzeit auf das siebte Verlustjahr in Folge zu. Fakt ist auch, dass die Betriebe nicht dauerhaft steigende Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten auffangen können, während gleichzeitig die Umsätze unter Druck stehen. Die Branche braucht daher endlich Entlastung und verlässliche Rahmenbedingungen, um zukunftsfähig zu sein. Dazu gehören der Erhalt der Minijobs, eine Flexibilisierung der Wochenarbeitszeit und ein konsequenter Abbau von Bürokratie.“

Neben den amtlichen Zahlen liegen jetzt auch die Ergebnisse der aktuellen Branchenumfrage der MV Tourismus GmbH mit rund 260 Teilnehmenden, darunter Beherbergungsbetriebe, gastronomische Einrichtungen, Freizeit- und Erlebnisanbieter sowie Tourist-Informationen und Kurverwaltungen vor. Demnach zeichnet sich sowohl für das erste Halbjahr als auch für den Verlauf der Hauptsaison ein insgesamt positives und zugleich differenziertes Bild ab. Die Hälfte der befragten Betriebe (vgl.: 2025: 53 Prozent) zeigen sich sehr zufrieden oder zufrieden mit dem Verlauf der Hauptsaison. 24 Prozent äußerten sich neutral (vgl.: 2025: 22 Prozent); 27 Prozent sind unzufrieden oder sehr unzufrieden (vgl.: 2025: 24 Prozent).

Trotz der relativ guten Einschätzung der Hauptsaison haben sich laut den Befragten betriebswirtschaftliche Kennziffern wie Umsatz und Ertrag in der Hauptsaison für einen größeren Teil der befragten Unternehmen rückläufig entwickelt.

42 Prozent der touristischen Betriebe schätzten die aktuelle wirtschaftliche Lage als sehr gut und gut ein, 42 Prozent verhielten sich neutral; 17 Prozent der Befragten schätzten die aktuelle wirtschaftliche Lage als schlecht und sehr schlecht ein. Damit ist diese Einschätzung etwas positiver im Vergleich zur letzten Branchenumfrage im Frühjahr dieses Jahres 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie die Inflation, die Energie- und Personalkosten sowie die Bürokratie und die Steuerbelastung wirken sich laut Umfrage stark auf das aktuelle Geschäft aus.

Rund jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) ist laut Umfrage vom Arbeitskräftemangel betroffen.

Das sind etwas mehr als im Vorjahreszeitraum (vgl.: 2025: 31 Prozent). Den betroffenen Unternehmen fehlen vor allem Arbeitskräfte im Service (51 Prozent), in der Küche (46 Prozent) und im Housekeeping (39 Prozent).

Die touristischen Angebote wurden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im Durchschnitt um 7,2 Prozent teurer. Während 17 Prozent der befragten Betriebe ihre Preise im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesenkt haben und zehn Prozent die Preise konstant gehalten habe, haben 73 Prozent ihre Preise erhöht.

Rund 40 Prozent der Gastgebenden halten Angebote für internationale Gäste bereit. Das sind vornehmlich digitale Zahlungsmöglichkeiten (77 Prozent), mehrsprachiges Info-Material (57 Prozent), mehrsprachige Internetseiten (42 Prozent), mehrsprachige Speisekarten (27 Prozent) sowie spezielle Speisen und Getränke (20 Prozent).

 Erstmals wurde im Rahmen der Branchenumfrage auch der Umgang mit aktuellen Trends im Tourismus abgefragt. Demnach beobachten 18 Prozent der Gastgebenden, dass Gäste Mecklenburg-Vorpommern gezielt als Alternative zu wärmeren Reisezielen wählen (Coolcation). 25 Prozent dieser Betriebe haben ihre Kommunikation bereits darauf ausgerichtet, weitere 30 Prozent planen dies ein.

14 Prozent haben den Eindruck, dass Gäste zunehmend über KI-Tools oder digitale Sprachassistenten auf ihre Angebote aufmerksam werden. 56 Prozent dieser Betriebe haben bereits in diesem Zusammenhang in ihre digitale Infrastruktur investiert, 29 Prozent planen dies.

31 Prozent beobachten mehr Gäste, die Arbeit und Urlaub miteinander verbinden (Workation). 61 Prozent dieser Betriebe bieten dafür bereits spezielle Angebote an, 18 Prozent planen solche Angebote.

38 Prozent beobachten einen bewussten Verzicht auf angebotene Programmbausteine und digitale Geräte (Digital Detox). 17 Prozent dieser Betriebe bieten dafür bereits passende Pakete oder Erlebnisse an. Bei 10 Prozent ist dies in Planung.

39 Prozent beobachten eine Zunahme von Reisegruppen, die aus mehreren Generationen bestehen.

58 Prozent dieser Betriebe haben dafür bereits Angebote, neun Prozent planen diese.

Neun Prozent beobachten eine wachsende Nachfrage nach Kursen oder Workshops zum Erlernen neuer Fähigkeiten (Skillcation). 82 Prozent dieser Betriebe bieten solche Lernerlebnisse bereits an, 14 Prozent planen entsprechende Angebote.

22 Prozent sehen ein aktives Interesse der Gäste daran, mit der Reise etwas Positives für die Region zu bewirken (Regenerativer Tourismus). 59 Prozent dieser Betriebe bieten dafür bereits passende Angebote an, 15 Prozent planen solche Angebote.

Sowohl für den Oktober (2026: 48 Prozent; 2025: 51 Prozent); als auch für den November (2026: 23 Prozent; 2025: 25 Prozent) liegt die erwartete Auslastung etwas niedriger als im Vorjahreszeitraum.

Die gesamtwirtschaftliche Lage, insbesondere die hohen Preise etwa für Benzin und Diesel, wirkten sich längst auch auf das Buchungsverhalten aus.

Im August fand in Sassnitz auf der Insel Rügen die internationale Segelveranstaltung „SailGP“ zum zweiten Mal in Deutschland statt. Insgesamt war das Event, das auch im nächsten Jahr fortgeführt werden soll, mit rund 15.000 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft. Der Usedom Beach Marathon, der erste Strandmarathon in Mecklenburg-Vorpommern auf der gleichnamigen Insel, zog im Juni dieses Jahres 300 Sportlerinnen und Sportler an. 210.000 Musikfans, darunter viele internationale Gäste, feierten am zweiten Juli-Wochenende die „Netherlands Edition“ des Formates Airbeat One in Neustadt-Glewe in der Region Mecklenburg-Schwerin. Das Festival für elektronische Musik begeisterte mit einer Bühnen-Show mit aufwändigen Licht-, Laser- und Videoinstallationen damit noch einmal mehr Musik-Fans als im letzten Jahr. Eine besondere Kunstaktion auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst sorgte in diesem Jahr für Aufsehen: Aus Anlass der Feierlichkeiten rund um das 300-jährige Jubiläum der Prerower Seemannskirche wurde am 22. Mai 2026 für genau 72 Stunden das Gemälde „Mein Vater sieht einen Engel“ von Georg Baselitz präsentiert. Die Schau zog mehr als 6.000 Gäste an. Ein weiterer Anziehungspunkt waren auch die Feierlichkeiten in Ludwigslust: Allein zur Eröffnung des Goldenen Saales im Schloss kamen 8.700 Gäste.

In fast allen Reiseregionen gab es Zuwächse bei den Übernachtungen. Das stärkste Plus bei den Übernachtungen verzeichnete die Mecklenburgische Seenplatte (+5,0 Prozent), gefolgt von Usedom (+3,0 Prozent) und Vorpommern (Festland: +1,9 Prozent). Zudem gab es Zuwächse in Westmecklenburg (+1,7 Prozent), Rügen (+1,1 Prozent) sowie an der Mecklenburgischen Ostseeküste (+0,3 Prozent). In der Region Fischland-Darß-Zingst gab es leichte Rückgänge (-0,4 Prozent).

Von Januar bis Juli 2026 meldete das Statistische Amt rund 214.000 Ankünfte (+5,5 Prozent im Vergleich zu 2025) und 561.000 Übernachtungen internationaler Gäste (-3,1 Prozent im Vergleich zu 2025). Übernachtungszuwächse gab es aus den Niederlanden (88.000 Übernachtungen; +15,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum), aus Dänemark (50.000 Übernachtungen; +0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) und Schweden (45.000; +1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum).

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