Foto Matthias Salm

Exponat auf der ILA

Sachsen und Thüringen zieht es ins All

Published On: 5. Oktober 2026Tags: , , ,

Dresden/Erfurt. Der Kleinsatellit ATHENE-1 flog ins All. Schätzungsweise ein Drittel der in ATHENE-1 verbauten Technologien kommen aus dem Freistaat Sachsen. Auch Thüringen setzt auf die Raumfahrtindustrie.

ATHENE-1 ist das Herzstück des Forschungsprojekts SeRANIS (Seamless Radio Access Networks for Internet of Space), das von der Bundeswehr-Universität geleitet und vom Zentrum für Digitalisierungs- und Technologieforschung der Bundeswehr gefördert wird. LuxSpace, eine Tochter des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB, und die Universität der Bundeswehr München haben den knapp 300 Kilogramm schweren Satelliten gemeinsam entwickelt und gebaut. An ATHENE-1 sind unter anderem auch das sächsische Unternehmen NEOSAT und das Raumfahrt-Start-Up Talos mit Standorten in München und Dresden beteiligt.

Er soll in eine niedrige Erdumlaufbahn (LEO) gebracht werden und dort als Technologie- und Erprobungsplattform für insgesamt 15 wissenschaftliche Experimente dienen. Im Mittelpunkt stehen satellitengestützte Kommunikation und Vernetzung, Aufklärung und Sensorik, Navigation sowie KI und Datenverarbeitung direkt an Bord des Satelliten. Dies schließt Verfahren zur Erkennung, Lokalisierung und Abwehr von Störungen ein.

Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter erklärt: „Sächsische Unternehmen leisten mit ihren innovativen Technologien einen bedeutenden Beitrag zum bisherigen Gelingen des Projektes – bei der Nachrichtentechnik, Mikroelektronik oder Signalverarbeitung. Entscheidende technologische Komponenten sind ,made in Saxony‘. Somit sammeln sächsische Unternehmen praktische Erfahrung im Orbit, auf der weitere Anwendungen und Kooperationen aufbauen können. Diese Entwicklung will das SAXON-1-Konsortium fortsetzen – bis hin zu einer eigenständigen Mission aus Sachsen heraus. Der Kopf hinter der Mission ATHENE-1, Prof. Knopp, kommt aus dem sächsischen Vogtland. Dies macht uns stolz und zeigt endgültig, dass mit Sachsen auch im Bereich der Raumfahrt immer mehr zu rechnen ist.“

Die Luft- und Raumfahrtbranche, in der im Freistaat Sachsen rund 160 Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit mehr als 7.000 Mitarbeitern etwa 1,4 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, besitzt für die technologische Souveränität Europas eine strategische Bedeutung.

Das sächsische Hightech-Ökosystem leistet auch einen wichtigen Beitrag für die Bedarfe der Bundeswehr im Bereich Raumfahrt. Den größtmöglichen Mehrwert erzielen sächsische Unternehmen mit kritischen, marktrelevanten Komponenten und Subsystemen. Gerade dort verbindet sie ein Dreiklang aus Geschwindigkeit, Qualität und industrieller Relevanz.

Insbesondere in den folgenden Bereichen ist Sachsen gut aufgestellt:

  • resiliente und sichere Satellitenkommunikation,
  • sichere Mikroelektronik,
  • Onboard-Processing (direkte Verarbeitung von Daten direkt am Ort ihrer Erfassung), Routing und verlässliche Datenpfade,
  • Weltraumqualifikation durch Test und Nachweis (vorhandene Test-, Simulations- und Qualifizierungsinfrastrukturen),
  • Hochleistungswerkstoffe, Materialien und Leichtbau.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz mitgeteilt, die Dresdner Deep-Tech-Unternehmen NEOSAT und PHYTRONIC zu übernehmen. Die beiden sächsischen Unternehmen entwickeln Technologien für Mehrantennen-Satellitensysteme und arbeiten an der weltweiten Vernetzung von Maschinen und Sensoren via Satellit sowie innovativen Übertragungsverfahren im All. Mit dieser Expertise aus Sachsen möchte Rohde & Schwarz seine Position im strategisch wachsenden Markt der Raumfahrtindustrie stärken.

Auch Thüringen will seine Kompetenzen in der Luft- und Raumfahrt stärker bündeln und für neue wirtschaftliche Chancen nutzen. Am 1. Thüringer Luft- und Raumfahrttag nahmen rund 300 Vertreter von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Politik teil.

„Thüringen ist nicht der klassische Luft- und Raumfahrtstandort. Aber wir verfügen über zahlreiche Technologien und Kompetenzen, ohne die die moderne Luft- und Raumfahrt heute nicht denkbar wäre“, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. „Optik und Photonik, Sensorik und Mikroelektronik, Präzisions- und Messtechnik, Materialbearbeitung, Maschinenbau oder Digitalisierung gehören zu den traditionellen Stärken unseres Wirtschafts- und Forschungsstandorts. Diese Kompetenzen wollen wir noch stärker für die Luft- und Raumfahrt nutzbar machen.“

Mehr als 100 Unternehmen und Institutionen in Thüringen entwickeln oder produzieren bereits heute Produkte mit Bezug zur Luft- und Raumfahrt. Rund 11.000 Arbeitsplätze sind unmittelbar oder teilweise mit diesem Technologiefeld verbunden. Auch die Thüringer Forschungslandschaft mit mehreren Hochschulen sowie mit Einrichtungen von Fraunhofer, Leibniz und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verfügt über zahlreiche Anknüpfungspunkte.

Thüringer Technologien kommen schon heute regelmäßig bei internationalen Luft- und Raumfahrtprojekten zum Einsatz. So liefert Jena-Optronik Sternsensoren, die Satelliten und Raumfahrzeugen die Orientierung und Lagebestimmung im Weltraum ermöglichen. Auch beim Artemis-Mondprogramm der NASA ist Technik aus Jena an Bord. Jenoptik lieferte 2020 optische Technologien für eine Marsmission der NASA. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) entwickelt unter anderem hochpräzise Optiken und Systeme für Satelliten, Erdbeobachtung und Quantenkommunikation. Das Leibniz-Institut für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) war mit Sensorik an Mond- und Marsmissionen beteiligt.

Die wirtschaftlichen Perspektiven der Branche sind derzeit vergleichsweise positiv. Nach dem aktuellen „Employment Barometer 2026“ von EY-Parthenon verzeichneten die Luft- und Raumfahrt- sowie die Verteidigungsindustrie unter 19 untersuchten Branchen mit 4,3 Prozent den stärksten Beschäftigungszuwachs. Insgesamt wurden für die Untersuchung 155 große börsennotierte Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien betrachtet.

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