Foto: Matthias Salm

Insolvenzgeschehen Ost: So ist die Lage

Published On: 13. Oktober 2026Tags: ,

Berlin. Die Pleitewelle reißt auch 2026 viele ostdeutsche Unternehmen mit. Betroffen sind unterschiedlichste Branchen von der Chemieindustrie bis zum Handwerk. Aktuelle Zahlen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen

Im 1. Halbjahr 2026 wurden bei den Amtsgerichten in Sachsen-Anhalt 1.784 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Wie das Statistische Landesamt mitteilt, waren das 43 bzw. 2,4 Prozent weniger Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens als im 1. Halbjahr 2025. Damit entwickelte sich Sachsen-Anhalt entgegen dem Bundestrend. Deutschlandweit stiegen die beantragten Insolvenzen im 1. Halbjahr 2026 um 3,1 Prozent auf 66 805 an..

Die Thüringer Amtsgerichte entschieden von Januar bis Juni 2026 über 1.057 Insolvenzverfahren. Das waren nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik 116 Anträge weniger als im Vorjahreszeitraum. Auf Unternehmen entfielen 13,5 Prozent aller Verfahren und auf übrige Schuldner (natürliche Personen als Gesellschafter u. Ä., ehemals selbständig Tätige, private Verbraucher sowie Nachlässe und Gesamtgut) 86,5 Prozent. Mit 975 Verfahren wurden 92,2 Prozent aller beantragten Insolvenzverfahren eröffnet. 74 Verfahren bzw. 7,0 Prozent wurden mangels Masse abgewiesen und acht Verfahren bzw. 0,8 Prozent endeten mit der Annahme eines Schuldenbereinigungsplanes.

Handwerk: Gute Nachrichten aus Oederan. Die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz, die im August Insolvenz angemeldet hat, wird übernommen. Künftig heißt das Unternehmen Gahlenzer Holzbaukunst GmbH. Das Unternehmen ist für seine Großfiguren bekannt. Neuer Eigentümer ist ist der Geschäftsführer der Steinbach Volkskunst, Rico Paul.

Bauwirtschaft: Gute Nachrichten auch aus dem Vogtland. Das insolvente Natursteinwerk Theuma ist von einer Investorengruppe übernommen worden. Das Unternehmen hat eine 125 Jahre alte Tradition im Schieferabbau.

Chemieindustrie. Leuna Polyamid konnte nicht gerettet werden. Durch die Einbindung in den Chemieverbund in Leuna ist die Stilllegung des Werks kompliziert. Für die Kosten muss das Land Sachsee-Anhalt aufkommen. 

Keramik und Porzellan: Die Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringe muss ihren Betrieb zum Jahresende einstellen. Trotz monatelanger Investorensuche konnte keine Lösung gefunden werden. Als Hauptgrund werden die hohen Energiekosten angeführt.

Energiewirtschaft: Der Leipziger Solaranlagenspezialist Energiekonzepte Deutschland (EKD) aus Leipzig musste Insolvenz anmelden. Das Londoner Investmenthaus Pemberton hatte EKD im Jahr 2025 übernommen, sich aber nun zurückgezogen. Das Unternehmen soll saniert werden. EKD wurde 2018 gegründet. Das Unternehmen gehört zu den größeren Anbietern von Photovoltaik-Systemen für Privathaushalte in Deutschland

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