Insolvenzgeschehen Ost: So ist die Lage
Berlin. Die Pleitewelle reißt auch 2026 viele ostdeutsche Unternehmen mit. Betroffen sind unterschiedlichste Branchen von der Chemieindustrie bis zum Handwerk. Eine Übersicht über das Geschehen im August und September.
Im ersten Halbjahr 2026 haben in Deutschland über 12.800 Unternehmen Insolvenz angemeldet. Das ist der höchste Stand seit 13 Jahren und 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, Das meldet das Statistische Bundesamt.
Chemieindustrie: Das Chemiewerk der Leuna Polyamid GmbH in Leuna steht vor dem Aus. Betroffen sind 400 Beschäftigte. Die Leuna Polyamid GmbH war bereits eine Auffanggesellschaft. Infra Leuna und Leuna-Harze hatten den Betrieb vom insolventen belgischen Chemiekonzern Domo Chemicals übernommen. Als Gründe werden gestiegene Rohstoffkosten, Konkurrenzdruck aus China und Vorkasseforderungen von Lieferanten genannt.
Handel: Die Autohaus-König-Gruppe in Berlin, einer der größten Autohändler Deutschlands, hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen hat bundesweit 80 Filialen mit 1.200 Beschäftigten, darunter auch zahlreiche Niederlassungen in Thüringen und Sachsen-Anhalt.
Ernährungsindustrie: Die Halberstädter Konserven GmbH (Halko) macht ihren Geschäftsbetrieb endgültig dicht. Damit endet die mehr als 140 Jahre alte Historie der Firma. Halberstädter Würstchen gehörten lange zu den bekanntesten Markenprodukten Ostdeutschlands. Es waren drei Insolvenzen innerhalb von drei Jahren.
Metallbau: Eine Insolvenz mit Folgen über Thüringen hinaus: Die in Meiningen ansässige Holding MS-Time GmbH hat eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Zu der Holding gehören auch das Fensterbauunternehmen FT Nickel GmbH in Weißwasser, die Alusysteme Metallbau Bellmann GmbH und FTM Fenster- und Türenbau Mulda GmbH in Brand-Erbisdorf, die Refalett GmbH in Großschirma und die Korsche Fensterbau GmbH in Zschopau. Als Grund nennt das Unternehmen die Baukrise, aber auch zu schnelles Wachstum und operative Probleme.
Möbelindustrie: Der Leipziger Möbelhändler Jörg Meinel hat den Betrieb der insolventen Leuchtenmanufaktur Wurzen übernommen und macht Hoffnung auf einen Neuanfang.
Bergbau: Der Betreiber der Grube Teutschenthal im Saalekreis hat im Juli Insolvenz angemeldet. In dem ehemaligen Kali- und Steinsalzbergwerk wurden Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen und Flüssigkeiten aus der Chemie eingelagert. Die Einlagerung der Abfälle dient der Sicherung der Grube mit ihren großen Hohlräumen. Ein Drittel der Filterstäube aus Sachsen-Anhalts Abfallverbrennungsanlagen wird dort eingelagert.
Handwerk: Weihnachten naht in großen Schritten, aber die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz aus Oederan musste Insolvenz anmelden. Pyramiden und gedrechselte Riesenfiguren fanden zuvor weltweit Käufer.
Gebäudetechnik: Die Thor-Gruppe in Thüringen, Spezialist für Haus- und Gebäudetechnik, hat eine Sanierung in Eigenverwaltung angemeldet. Der Geschäftsbetrieb soll weiter laufen. Von der Insolvenz sind die vier Niederlassungen der Thor-Gruppe in Erfurt, Heiligenstadt, Menteroda und Leinefelde-Worbis betroffen.
Handwerk: Die Krise im Bäckereihandwerk will nicht enden. Auch die Bäckerei Konditorei Wahl GmbH aus Bestensee hat Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Das Unternehmen mit 54 Filialen und rund 400 Beschäftigte war in Brandenburg in den letzten Jahren stark gewachsen. Gestiegene Kosten und Kaufzurückhaltung gelten als Gründe. Es bestehen aber gute Aussichten für eine erfolgreiche Sanierung.
Textilindustrie: Die Schweriner Taschenmanufaktur Red Rebane hat Insolvenz angemeldet und die Produktion von Taschen und Rucksäcken eingestellt. Steigende Material-, Energie- und Lohnkosten werden als Grund genannt.
Handwerk: Auch die Torney Landfleischerei Pripsleben GmbH in Altentreptow hat Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Neubrandenburg angemeldet. Auch hier trifft Konsumzurückhaltung auf Kostensteigerungen.
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