Rückblick 2025: Top-Investitionen in Ostdeutschland
Berlin. Allen Krisen zum Trotz: In Ostdeutschland wurde 2025 kräftig investiert. Insbesondere rund um die Halbleiterindustrie in Dresden ließen sich weitere Player nieder. Auch die Pharmaindustrie meldete Top-Investitionen. Eine Auswahl:
Von Matthias Salm
Halbleiterindustrie
Air Liquide wird in Dresden hochmoderne Industriegas-Produktionsanlagen bauen, um hochreine Gase an einen Kunden aus der Halbleiterindustrie zu liefern. Die geplante Investition von über 250 Millionen Euro ist die größte Investition von Air Liquide zur Unterstützung der Electronics-Industrie in Europa. Air Liquide wird drei Luftzerlegungsanlagen, zwei Wasserstoffproduktionsanlagen und die dazugehörige Infrastruktur bauen und betreiben. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant.
Im Oktober gab Globalfoundries bekannt, seine Chip-Produktion in Dresden auszubauen. Die bisherige Jahresproduktion soll bis Ende 2028 von derzeit 950.000 auf 1,1 Millionen Wafer steigen.
Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit schloß der Jenoptik-Konzern im Sommer mit rund 100 Millionen seine größte Einzelinvestition in der jüngeren Geschichte ab. In Dresden entstand eine Fabrik für innovative Mikrooptiken. Jenoptik fertigt dort anspruchsvolle Mikrooptiken und mikrooptische Sensoren. Diese kommen hauptsächlich in Anlagen für die Halbleiter-Lithografie, aber auch in Anlagen zum Beispiel für die Lasermaterialbearbeitung zum Einsatz.
Im August kündigte auch der japanische Chipfabrik-Ausrüster Murata Machinery aus Kyoto eine Dependance samt Schulungszentrum in Dresden an. Murata stellt Transportsysteme für Chipfabriken her.
Zu den Zulieferern der Chipindustrie zählt auch Kyocera Fineceramics Europe GmbH, eine Tochter der japanischen Kyocera Group. Sie bezog 2025 einen neuen Technologie- und Produktionsstandort in Erfurt. Das Unternehmen ist spezialisiert im Bereich des Vieldrahtsägens mit modernen Anlagen zum hochpräzisen Trennen von spröd-harten Materialien. Die Halbleiterherstellung gehört zu den Zielmärkten des japanischen Konzerns.
Stahlindustrie
Die Stahlindustrie steht auch in Ostdeutschland unter Druck. Dennoch nahm Feralpi in Riesa im Mai ein klimaneutrales Walzwerk in Betrieb. 220 Millionen Euro wurde in innovative Technik investiert, um Stahl direkt nach dem Guss weiterzuverarbeiten.
Automotive
Eine wichtige Zukunftsentscheidung für den Harz: In Halberstadt eröffnete Daimler Trucks sein Global Parts Center für die weltweite Aftersales-Logistik. Von dem Logistikstandort werden bis zu 300.000 verschiedene Artikel an Fahrzeughändler in über 170 Länder der Welt geliefert.
Im April eröffnete die Nissha Advanced Technologies Europe GmbH am Standort Waltershausen in Thüringen eine neue Fertigungshalle. Zukünftig werden hier funktionale Folien für den äußeren Frontbereich von Elektrofahrzeugen hergestellt.
Pharma- und Medizinbranche
Merz Dessau erweitert seine Produktion im Biopharmapark Dessau-Roßlau um zwei neue Gebäude. Merz stellt dort seit 2002 hochwertige ästhetische und neurologische Spezialprodukte wie Botulinumtoxin her.
Im Juni eröffnete Campo Amargo, eine Tochtergesellschaft der Berliner emp Biotech GmbH, eine neue Produktionsstätte im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. Das Unternehmen baut damit seine Produktionskapazitäten im Bereich Synthesereagenzien für DNA- und RNA-Fragmente aus.
Die Rotop Pharmaka GmbH erweitert ihre Produktions- und Entwicklungskapazitäten am Standort Dresden-Rossendorf. Geplant ist der Bau von zwei hochautomatisierten Fabriken für diagnostische und therapeutische Radiopharmaka, die ab 2028 schrittweise den Betrieb aufnehmen sollen.
In Stralsund errichtet der pharmazeutische Großhändler Sanacorp einen kompletten Neubau seiner Niederlassung, um die Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern künftig noch besser versorgen zu können. Die Niederlassung ist für die Versorgung von etwa 200 Apotheken in Mecklenburg-Vorpommern und im Norden Brandenburgs zuständig.
Der Schweizer Pharmakonzern Novartis investiert in Halle (Saale) rund 36 Millionen Euro in eine neue Produktionsstätte für Radioligandentherapien. Diese dienen der Krebsbehandlung. Die Anlage soll Ende 2027 in Betrieb gehen.
Das mittelständische Unternehmen Helaxa schließlich errichtete in Luckenwalde eine eigene Produktionsstätte für Heparin.
Energie und Stromnetze
Im November eröffnete das estnische Unternehmen Skeleton Technologies die nach eigenen Angaben weltweit größte Fabrik für Ultrakondensatoren in Markranstädt westlich von Leipzig. Die Energiespeicher kommen in Kraftwerken und in der Autoindustrie zum Einsatz.
Weil der Betrieb von Chipfabriken und Rechenzentren ein Vielfaches an Energie verbraucht, müssen auch die Stromnetze ertüchtigt werden. Sachsenenergie baut bis 2027 für etwa 732 Millionen Euro gemeinsam mit dem Netzbetreiber SachsenNetze die Strom- und Datennetze in Ostsachsen aus.
Im November begann der Ausbau des Standorts des Windenergieanlagenherstellers Nordex. Investiert werden rund sechs Millionen Euro auf dem Gelände des ehemaligen Dieselmotorenwerks in der Rostocker Südstadt. Nordex produziert in Rostock mit 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Maschinenhäuser und Schaltschränke für Windenergieanlagen.
Luft- und Raumfahrt
Im November feierte die Deutsche Aircraft das Richtfest für ihre Endmontagelinie am Flughafen Leipzig/Halle. Künftig ist hier die Serienproduktion der D328 Eco, ein Turboprop-Flugzeug der nächsten Generation, geplant
In Arnstadt fand im Juli der Spatenstich für den Bau des Logistikzentrums der N3 Engine Overhaul Services – einem Joint Venture von Lufthansa Technik und Rolls-Royce für die Triebwerksinstandhaltung. Die Investitionssumme inklusive Bau einer neuen Werkhalle beläuft sich auf rund 150 Millionen Euro.
Recyclingwirtschaft
Das Familienunternehmen Liofit GmbH aus Kamenz investiert in den Bau eines Zentrums für die Reparatur, Zerlegung und das Recycling von Lithium-Akkus unter einer kWh. Kunden sind u.a. Fahrradhändler und Akkuproduzenten.
Das Magdeburger Cleantech-Start-up Solar Materials hat in diesem Jahr seine erste industriellen Recyclinglinie in Betrieb genommen. Sie ermöglicht das Recycling von bis zu 10.000 Tonnen Solarmodulen jährlich.
Lebensmittelindustrie
Seit 1990 produziert Unilever in Auerbach. Zum 35-jährigen Bestehen wurde die Einweihung einer neuen Produktionslinie für Snackprodukte gefeiert. Das Werk soll zu einem Kompetenzzentrum für Snackprodukte und Schnellgerichte innerhalb des Konzerns werden.
Maschinenbau
Die Schweizer Skan-Gruppe ist Weltmarktführer für Isolationstechnik. Görlitz ist der zweitgrößte Standort der Skan-Gruppe nach ihrem Hauptsitz nahe Basel. Nun entsteht in Sachsen ein Logistikzentrum für rund 16 Millionen Euro, von dem aus künftig die weltweite Lieferkette der SKAN-Gruppe gesteuert wird. Das Schweizer Unternehmen baut Anlagen für das keimfreie Abfüllen biopharmazeutischer Wirkstoffe.
Verpackungsindustrie
Die Schweizer Wintipak AG investiert in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten im Star Park Halle (Saale). Wintipak ist einer der führenden Hersteller von aseptischen Verpackungsmaterialien für flüssige Lebensmittel.
Auch die Faller Packaging aus Baden-Württemberg hat sich 2025 für einen Produktionsstandort in Thüringen entschieden und eine Immobilie in Gebesee nördlich von Erfurt übernommen. Produziert werden Faltschachteln und Packungsbeilagen für die Pharmaindustrie.
Rechenzentren
Brandenburg konnte eine Milliarden-Investition im Spreewald begrüßen. Die Schwarz-Gruppe baut in Lübbenau ein riesiges Rechenzentrum. Der Konzern, zu dem sowohl Lidl als auch Kaufland gehören, investiert elf Milliarden Euro, die größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte.
Amazon Web Services (AWS) kündigte im Juni die unabhängige europäische Governance-Struktur für die AWS European Sovereign Cloud und die Schaffung eines eigenen Security Operations Centers sowie die Gründung einer neuen Muttergesellschaft an. Dazu gehört, dass die erste AWS European Sovereign Cloud Region bis Ende 2025 in Brandenburg mit einer Investition von 7,8 Milliarden Euro eingeführt wird. Hierzu zählt auch die Gründung der AWS European Sovereign Cloud GmbH mit Sitz in Potsdam.
Optik
Im Mai feierte der ZEISS-Konzern in Jena das Richtfest seines neuen Hightech-Standorts. Voraussichtlich bis Ende 2026 entsteht ein neuer Gebäudekomplex mit rund 118.000 Quadratmetern. Es handelt sich um eines der größten Investitionsvorhaben des Konzerns weltweit:
Die Jenoptik AG erweitert ihre Produktionskapazitäten in Jena. Es geht um die Fertigung optischer Komponenten vor allem für Ausrüstungen der Halbleiterindustrie.
Messgeräte
Die Analytik Jena GmbH+Co. KG errichtet an ihrem Produktionsstandort in Ilmenau einen Entwicklungs- und Fertigungskomplex für die Entwicklung und Produktion ihrer Messgeräte.
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