Lithium-Projekt in der Altmark bekommt Zuspruch der EU
Hannover. Die Europäische Kommission hat das Projekt Altmark Lithium Extraction (ALE) von Neptune Energy als ein Strategisches Projekt im Rahmen des Critical Raw Materials Act (CRMA) ausgewählt.
Mit der im Mai 2024 in Kraft getretenen Verordnung verfolgt die Europäische Union das Ziel, ihre Versorgung mit kritischen Rohstoffen langfristig zu sichern und ihre Importabhängigkeit zu verringern. Die ausgewählten Projekte aus den Bereichen Rohstoffgewinnung, Verarbeitung und Recycling sollen hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten und wurden von der EU-Kommission als besonders relevant eingestuft.
„Der Status als Strategisches Projekt bestätigt das Potenzial der Altmark für die europäische Rohstoffsicherheit und gibt uns Rückenwind für die anstehenden Schritte in der Projektentwicklung“, sagt Andreas Scheck, Geschäftsführer von Neptune Energy. „Europa braucht eigene, verlässliche und nachhaltige Quellen für kritische Rohstoffe sowie den Aufbau nachgelagerter Wertschöpfungsketten. Unser Lithiumprojekt kann dabei eine wichtige Rolle spielen und gleichzeitig neue industrielle Perspektiven für Sachsen-Anhalt und Deutschland schaffen. Das hat die EU-Kommission mit ihrer Entscheidung bestätigt.“
Im Rahmen der zweiten Auswahlrunde wurden insgesamt 171 Projektanträge bei der Europäischen Kommission eingereicht. Die 46 ausgewählten Projekte sollen unter anderem von beschleunigten Genehmigungsverfahren sowie einem verbesserten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten profitieren.
Neptune Energy arbeitet im Projekt ALE derzeit in der Pilotphase II an der Optimierung des Adsorptionsverfahrens. Mithilfe der direkten Lithiumextraktion (Direct Lithium Extraction, DLE) wird Lithium aus Thermalwasser in der Altmark gewonnen. Das Verfahren ermöglicht eine besonders flächen- und ressourcenschonende Lithiumgewinnung und bietet die Chance, den kritischen Rohstoff unter hohen Umweltstandards in Deutschland zu produzieren.
„Europas Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich nicht an einzelnen Rohstoffprojekten, sondern am Zusammenspiel der gesamten Wertschöpfungskette“, sagt Axel Wenke, Director New Energy bei Neptune Energy. „Unser Ziel ist es, Teil einer regionalen Wertschöpfungskette zu sein, die vom Rohstoff über die Verarbeitung und die Herstellung von Batteriekomponenten bis hin zum Recycling reicht.“
Lithium ist ein zentraler Rohstoff für leistungsfähige Batterien, Energiespeicher und die Elektromobilität. Mit einem geschätzten Potenzial von 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent (LCE) zählt das Vorkommen in der Altmark zu den bedeutendsten bekannten Lithium-Solevorkommen weltweit. In den 2030er Jahren sollen jährlich bis zu 25.000 Tonnen LCE produziert werden. Dies entspricht dem Lithiumbedarf von rund 500.000 Elektrofahrzeugen pro Jahr.
Nach der Evaluierung verschiedener Technologien zur direkten Lithiumextraktion (Direct Lithium Extraction, DLE) optimiert das Unternehmen gemeinsam mit dem Fraunhofer IEG in der Pilotphase II das Adsorptionsverfahren und testet unterschiedliche Adsorbermaterialien für einen späteren industriellen Einsatz. Das Lithium ist in Tiefen zwischen 3.000 und 4.000 Metern im Thermalwasser gelöst, das sich im feinen Porenraum des Gesteins verteilt. Neptune plant, das Thermalwasser durch Bohrungen zu fördern und das Lithium mittels DLE zu extrahieren.
„In der Pilotphase I im vergangenen Jahr haben wir unterschiedliche weltweit verfügbare DLE-Technologien auf ihre Eignung für die Bedingungen in der Altmark untersucht. Nach Tests mit Ionenaustausch- und Adsorptionsverfahren hat die Adsorptionstechnologie die vielversprechendsten Ergebnisse für die Bedingungen in der Altmark gezeigt. Dieses Verfahren wollen wir nun gemeinsam mit dem Fraunhofer IEG weiterentwickeln“, erklärt Joachim Sluet, Manager Midstream und verantwortlich für die Pilotprojekte bei Neptune Energy.
In der Pilotphase II werden in den kommenden Monaten verschiedene Adsorbermaterialien in verschiedenen Phasen in einer mit dem Fraunhofer IEG entwickelten Pilotanlage für die direkte Lithiumextraktion getestet und bewertet. Für die erste Testphase wurde Evonik Catalysts ausgewählt, das Adsorbermaterial zu liefern, das sich in Vorversuchen als stabil und leistungsfähig erwiesen hat. Darüber hinaus unterstützt Evonik das Pilotprogramm mit Anwendungs- und Prozess-Know-how vor Ort. Adsorber sind darauf ausgelegt, Lithium-Ionen selektiv aus dem Thermalwasser zu adsorbieren (anzuziehen). Anschließend wird das Lithium vom Adsorber desorbiert (getrennt), sodass eine stark lithiumhaltige Lösung, das Lithiumchlorid entsteht. Dieses kann in weiteren Prozessschritten zu batteriefähigem Lithiumkarbonat oder Lithiumhydroxid-Monohydrat verarbeitet werden – dem Rohstoff für die europäische Batterie- und Elektromobilitätsindustrie.
Die mit dem Fraunhofer IEG entwickelte Pilotanlage ermöglicht die Extraktion von Lithium unter Ausschluss von Sauerstoff mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 1.000 Litern Thermalwasser pro Tag. Durch drei gleichzeitig betriebene Adsorbersäulen kann die Adsorption (das Anziehen) und die Desorption (das Freilassen) der Lithium-Ionen fast zeitgleich erfolgen.
„Durch die mit dem Fraunhofer IEG entwickelte DLE-Pilotanlage gewinnen wir wichtige Erkenntnisse für die Auswahl des optimalen Adsorbermaterials für das Thermalwasser der Altmark. Damit rücken wir einen weiteren Schritt näher an eine industrielle Lithiumproduktion aus der Altmark“, ergänzt Dr. Axel Wenke, Director New Energy & Business Development.
Newsletter
Immer die neuesten Nachrichten im Postfach.



